Wunderschöne Liedermacher-Songs für die Generation Praktikum
„Mein Name ist Gisbert zu Knyphausen. Und bevor ihr fragt: Ja, der Name ist echt.“ So stellte sich Gisbert zu Knyphausen bei seinen Live-Auftritt vor. Zu seinem schönen Märchenbuch-Namen gehören auch noch der Titel „Freiherr“ und ein Weingut im Rheingau mit reichlich Familienhistorie. Aber jetzt ziert er auch das Debüt-Album des 28-jährigen.
Es ist ein Album das gut hineinpasst in die deutschsprachigen Veröffentlichungen dieses Frühjahrs, zu „Sylt“ von Kettcar, „Nach dem Goldrausch“ der Fotos, zum Solo-Album
von Sterne-Frontmann Frank Spilker und zu „Du kannst mich an der Ecke rauslassen“ von Niels Frevert. Und doch fällt es auf, zwischen all den Männern, die über ihre Empfindungen singen. „Für mich klingt es nicht nach einem Debüt“, lobt Kettcar-Frontmann Marcus Wiebusch im Musikmagazin Intro „Eher nach einem, der schon jahrelang in anderen Bands Musik gemacht hat und jetzt sein Solo-Ding ’raus haut.“
Es sind Songs für Endzwanziger der Generation Praktikum, chronisch auf dem Sprung und irgendwo dazwischen, zwischen Lieben, Jobs, Orten und Lebensentwürfen, und dabei beständig auf der Suche nach Halt oder zumindest nach Antworten auf die Fragen des Lebens. „Und kann mir einer mal verraten wieso wir sind in diesen Tagen?“ fragt von Knyphausen in „Flugangst“– und stellt klar, dassman bei aller Unsicherheit glücklich sein kann: „So gut wie heute ging es uns selten, oder vielleicht nie.“
Bei aller Nabelschau ergeht sich zu Knyphausen, der nach Zwischenstationen in Berlin und Nijmegen mittlerweile in Hamburg lebt, glücklicherweise nicht in Befindlichkeitspathos.
„Und jetzt schau dich an und sag mir dann, denkst Du wirklich Du wärst so interessant, wenn Du dich suhlst in Deinem Schmerz?“ singt er in Rio-Reiser-Tonfall in „Spieglein, Spieglein“ seinem Spiegelbild ins Gesicht. „Und jetzt schau’ nicht so gequält! Das sieht Scheiße aus!“
Die schwierige Aufgabe des Unpeinlich-auf-Deutsch-Singens löst zu Knyphausen, indem er virtuos zwischen poetischer Kryptik und alltäglicher Schnodderigkeit pendelt, während er erzählend vom Weggehen undAnkommen, der Frage nach dem richtigenMoment und dem längst überfälligen Erwachsenwerden singt.
Und wie immer, wenn jemand erzählen singt, ist der verpönte Begriff des Liedermachers nicht weit. Ein Begriff, mit dem man zu Knyphausen jedoch nicht ärgern kann. „Ich habe es amAnfangwie eine Beleidigung empfunden, wenn mich Leute einen Liedermacher genannt haben, schließlich gibt es genug Leute, die dasWort als Schimpfwort benutzen. Aber was Niels Frevert, Nils Koppruch und ich machen, ist schon Liedermachertum, auch wenn wir nicht klingen wie Reinhard Mey. Es gibt nun mal keinen besseren deutschen Begriff für Singer/ Songwriter.“
Seine vierköpfige Band spielt zu seinen Geschichten einen fast zu perfekten melodischen Gitarrenpop, der mehr nach dem Mittleren Westen der USA als nach der Hamburger Wahlheimat klingt.
So heißt denn auch das Online-Label, über das zu Knyphausen vor dem Plattendeal seine Musik selbst vertrieb und dessen Logo auch auf der CD untergekommen ist, Omaha Records.Wie Omaha,Nebraska, das Zuhause von Saddle-Creek, einem der erfolgreichsten Indielabels der USA, Heimat desHerzschmerz-Folk- Rocks von Bands wie Bright Eyes, Two Gallants und The Good Life. „Der Name ist eine Hommage nicht nur an die Musik der Saddle-Creek-Bands, sondern auch an die Art, wie das Label geführt wird“, sagt zu Knyphausen. „Das ist rein aus Fantum entstanden.“ Zu Knyphausen ist der erste Omaha-Records-Künstler, der nun eine richtige Platte veröffentlicht. „Bisher habe ich meine Musik immer selbst gebrannt und bei Konzerten und über das Internet verkauft“, erzählt er. „Es ist faszinierend, dass die CD jetzt im Laden steht und Menschen sie kaufen können.“