2015-07-18
Episch
Das Wörtchen „Episch“ habe ich mir all die Jahr unbewusst aufgespart. Nun kann ich es endlich einsetzen. Es gibt ja viele Versuche, verzerrte Gitarren mit klassischer Musik und Gesang zu verbinden. In meinen Ohren klingt das meist aufgesetzt und geht mir durch übertriebenen Synthie-Einsatz nicht selten ins Lächerliche. Entweder klingt es nach Rock mit Klassik angereichert oder Klassik mit Rock angereichert; einer muss immer zurückstecken. Erst seit Corpo-Mente habe ich begriffen, dass mir die wahre Verschmelzung der Genres fehlte. Hier gehen das Harte und das Weiche Hand in Hand, als würden Sie jeden Abend miteinander schlafen. Okay, das Album ist viel softer als ich es mir gewünscht hätte, aber es trifft dennoch in mein bombastgescholtenes Herz – und das wahrlich tief.
Mit Operngesang habe ich eigentlich immer so meine Schwierigkeiten, kommt er mir doch oft aufgesetzt und glattgeschliffen vor. Bei Corpo-Mente aber gibt es Ecken und Kanten, zerbrechliche Höhenflüge sowie melancholisches Leiden. Alles getragen von der Musik und nicht nur begleitet. Die elektronischen Element sind meist dezent und bringen so manche Überraschung in das Meisterwerk.
Kein Album zum Abgehen – aber zum abheben.