Alles in allem ein gutes, lesenswertes Buch. Die Idee, Außenseiter der Gesellschaft als Hauptfiguren zu installieren, hat mir sofort gefallen. So bekommt man einen anderen Blick auf die Geschichte und kann ganz andere Beziehungen zu den Charakteren aufbauen. So dachte ich jedenfalls.
Dann kam aber die für mittelalterliche Romane scheinbar unabdingbare Verbindung zur politischen Geschichte. Schlecht finde ich dies nicht, nur schon zu oft gelesen. Auch bin ich mit den Hauptfiguren nicht recht warm geworden. Weder Alan/Losian noch Simon waren mir durchweg sympathisch. Vielleicht ist dieses von RG aber auch gewollt, um die Personen mit ihren Für und Wider glaubhafter darzustellen? Letztlich waren für mich Godric und Wulfric die heimlichen Stars.
Ganz stark und daher auch vier Sterne (neben der sicheren und spannenden Erzählweise sowie der Idee, s.o.) war für mich der Einblick in die jüdische Kultur des Mittelalters. Dieser Aspekt war interessant und lohnend, auch um zu zeigen, dass das Nebeneinander von Christen und Juden seit jeher problematisch war, die Grenzen aber überwunden werden konnten - wenn man denn wollte.
Insgesamt ein lohnendes und souveränes Buch.