Herr Spitzer, der in wissenschaftlichen Fachkreisen nicht wirklich ernst genommen wird, schafft es wieder mal mit wenig Aufwand, viel Populismus und einer reißerischen Überschrift einen Bestseller zu fabrizieren.
Spitzer ist vor allem darauf bedacht, den Eindruck zu erwecken, es handele sich um eine mit naturwissenschaftlicher Präzision gestrickte Beweisführung. Umfangreiches Datenmaterial, Grafiken und scheinbar gesicherte Erkenntnisse aus Medizin, Kriminalistik, Ernährungswissenschaft und Pädagogik scheinen diesen Eindruck zu untermauern. Doch Spitzers massenmedial zugespitzte These fällt selber dem Prinzip anheim, das sie zu kritisieren vorgibt: nämlich einer oberflächlichen und vorurteilsgeleiteten Medienbetrachtung. Zudem wird er bisweilen richtig untergriffig (Wer seinen Kindern keine Grenzen setzen kann, "der ist kein guter Vater und keine gute Mutter".). Computerspiele werden von Spitzer generell auf "Ballerspiele" reduziert, dazu kommt noch eine ziemlich ekelhafte Egozentrik. Etwa, wenn Spitzer den Amoklauf von Winnenden 2009 in unmittelbaren Bezug zu sogenannten Killerspielen bringt (was eigentlich nicht der Fall war) und dabei erklärt: "Als der Amokläufer hereinkam und um sich schoss, diskutierte man in der Klasse übrigens gerade mein Buch 'Vorsicht Bildschirm'".
Spitzer belegt seine Aussagen durch eine (zumindest für mit wissenschaftlichen Publikationen nicht so Vertrauten) beeindruckende Menge an zitierten Studien. Dass diese Studien teilweise aus den 1990er Jahren stammen und für Rückschlüsse auf die digitale Mediennutzung im Jahr 2012 herangezogen werden, erscheint wenig zeitgemäß. Überhaupt stellt sich die Frage, für wen dieses Buch geschrieben wurde. Um eine wissenschaftliche Publikation scheint es sich nicht zu handeln, diese hätte Spitzer wohl in dem von ihm häufig zitierten "Science" veröffentlicht (nach Durchlaufen eines entsprechenden Review-Prozesses, den Spitzer selbst für wissenschaftliche Publikationen einfordert). Außerdem enthält der Text eine enorme Anzahl an Ausrufungszeichen, was in der Wissenschaftssprache nicht gerade üblich ist.
Es liegt also der Schluss nahe, dass Spitzer eine populärwissenschaftliche Publikation intendiert hat. Ist das der Fall, dann ist der immer wiederkehrende Hinweis auf die Wissenschaftlichkeit der zitierten Studien fast nicht erträglich. Vor allem deshalb, weil es Spitzer mit seinem eigenen wissenschaftlichen Anspruch nicht allzu genau nimmt, und daher gemutmaßt werden kann, dass die mannigfaltigen Hinweise auf die Wissenschaftlichkeit vor allem dazu dienen, die eigenen Glaubwürdigkeit (bei einem wissenschaftlich weniger versierten Publikum) zu unterstreichen.
Um in Spitzers Jargon zusprechen, das Buch wird wie auf einem Smartphone geschrieben.