2023-09-05
Weniger ist mehr
Der Roman ist kein klassischer Krimi.
Es geht um ein verschwundenes Gemälde, das in der Nachkriegsgeschichte durch Raub den Besitzer gewechselt hat und dadurch in die Hände der Familie Ritter kam. Für den Sohn Franziskus Ritter, einen aufstrebenden Verteidigungsminister, der es unwissentlich von seinem Vater geerbt hat, ist es seine Achillesferse. Deswegen soll Lomberg das Gemälde wieder auftreiben.
Dabei folgt ihm der Leser tief hinein, in die Zeit, als alles seinen Anfang nahm. In das Jahr 1928.
Historisch ist der Roman umfassend recherchiert. Storm jongliert mit einer Vielzahl an Protagonisten sicher durch verschiedene Zeitebenen. Allerdings wird der Leser mit dieser Vielzahl an Informationen beinahe erschlagen. Es ist keine Strandlektüre, die nebenbei gelesen werden kann. Die Handlung erfordert volle Aufmerksamkeit, da mit Abschnittswechsel oft ein Zeitsprung und neue Charaktere eingeführt werden.
Zur Erleichterung gibt es hinten im Roman ein Personenregister. Gerade für Neulinge, die Band 1 nicht kennen, äußerst hilfreich.
Durch die geballte Informationen bekommt der Leser teilweise spannende Zeitsprünge serviert. Wenn ein Journalist regelrecht entsorgt wird, weil er zu tief gegraben hat. Aber größtenteils auch unspektakuläre Handlungsstränge, die erzählerisch nur Informationen liefern, um die komplexe Handlung zu erklären. Dadurch leidet für mich die Spannung, weil die Aktere zu viel reden, essen oder umherreisen, aber zu wenig aktiv handeln.
Mir ging es im Laufe des Buches ähnlich, wie anderen Lesern. Zu viel Information beziehungsweise Nebenhandlungen. Alle sind irgendwie miteinander verflochten und am Ende ist Friede, Freude und alles harmonisch aufgeklärt. Weniger Handlungsstränge und Verstrickungen, dafür mehr Aktion der Hauptfiguren, wäre mir lieber gewesen.
Trotzdem ist der Roman aufgrund des umfassenden historischen Teils lesenswert.
Allerdings kommen Kunstliebhaber hier kaum auf ihre Kosten. Der künstlerische Aspekt ist nur Nebenschauplatz. Es geht mehr um Politik.