Hervorragend!
Zwar habe ich erst etwas mehr als die Hälfte des Romans gelesen, behaupte aber jetzt schon, dass dies sein bisher bestes Buch ist.
Da ist eine spannende Geschichte, aus mehreren Perspektiven ebenso hübsch gestrickt wie gut erzählt, bevölkert zugleich von einem bunten Panoptikum an Figuren, die aber glaubhaft beschrieben sind und authentisch zu sprechen scheinen. Selbst die Nebenrollen sind interessant besetzt und liebevoll beschrieben.
Und eher nebenbei, in bester Raymond-Chandler-Manier, beschreibt Robotham relevante Abgründe der Gesellschaft, die eben die schöne Theorie von der grausamen Praxis trennt und aus deren Widersprüchen ER seine Schockeffekte bezieht. Da sind eben Politiker korrupt und manche Polizisten haben schon lange die Seite gewechselt.
Hervorragend geschrieben (und übersetzt) ist das ganze auch noch! Ganz schlank der Stil, wenig Ornamentik – im Zweifelsfall braucht er nur wenige Striche/Sätze, um eine Szene treffend zu beschreiben und dennoch Athmosphäre entstehen zu lassen vor den geistigen Augen, Nasen & Ohren der Leser. An anderer Stelle schmeckt es sogar authentisch auf der Zunge.
Das ganze natürlich ohne eitles Gespreize! Im Gegenteil formuliert er vordergründig bescheiden daher; nur gerade soviel, um die Geschichte voranzutreiben und alle Fäden dabei in der Balance zu behalten. Ein wenig atemlos und knapp – was einerseits beschleunigt (an einer Stelle gibt es sogar einen wunderbar selbstironischen Witz über „Page-Turner“), andererseits hat Robotham eben wirklich eine ganze Menge zu erzählen. Und das alles ist voller Leben, ganz prall, ganz nah an der Wirklichkeit.
Wer jetzt nicht Robotham-süchtig wird, kann später nicht mehr behaupten, er habe es ja schon immer geahnt!