Logan-The Wolverine
Wem die X-Men Reihe geläufig ist, weiß was er bekommt! Dieses Motto war auch mir bekannt und dennoch habe ich die ganze Reihe inkl. aller Wolverine Filme durchgekaut. In der Endsumme waren das meines Erachtens viele durchschnittliche Episoden als auch unterdurchschnittliche, wenn wir die Wolverine Reihe betrachten. Die Charakter Ausarbeitung der einzelnen Figuren waren mir zu schlicht dargestellt und im Grunde genommen bestanden die Filme nur aus der Erklärung, was wird gemacht um welches Ziel zu erreichen aber ohne dass wir eine Auflösung dessen bekommen. Auch hier hat man darauf verzichtet wer Logan eigentlich ist und wird einer Comic-Adaption überhaupt nicht gerecht. Die Actionszenen waren extrem überspannt und Logan läuft auch gerne mal mit hundert Pfeilen im Rücken durch die Gegend wie ein junger Prinz. Auch die extreme Weichzeichnung des Charakters hat mich sehr gestört. Aus diesem Grund wollte ich mir die Fortsetzung auch gar nicht mehr anschauen, weil alles so typisch Marvel-Generisch ist. Denn alle Charaktere aus dem Marvel-Universum müssen ja im Kino unbedingt ständig mit einem Augenzwinkern dargestellt werden und dass nervt auf Dauer ungemein.
Nachdem sich aber herauskristallisiert hat das Hugh Jackman auf diese Geschichte des Films keine Lust mehr hatte und es eigentlich darum geht diese Reihe zum Abschluss zu bringen und natürlich aufgrund der guten Bewertungen, wollte ich dem Ganzen Konglomerat noch eine Chance geben. Ich wurde dieses Mal nicht enttäuscht!
Am Ende des Films war ich extrem überrascht und ziemlich aus der Fassung, denn die Geschichte war brillant und langsam erzählt. Nicht nur der raue Ton des Films hat mich überrascht, nein, auch die ganze Attitüde des Films der so gekonnt in Szene gesetzt worden ist und so spannend war, das ich am Ende des Films immer noch den ersten Chip in der Hand hatte und die Schüssel immer noch randvoll wahr. Das muss man erst mal schaffen und ich muss sagen der Film hat mich geschafft! Ich bin ehrlich gesagt von diesem Teil der Reihe restlos begeistert! WOW!
Meines Erachtens hat der Film hier alles richtig gemacht: Sei es die szenische Einstellung, die Lichtstimmung oder die Actionchoreografie. Selbst die erzählerische Weise des Films ist hier bestens gelungen. Was mir auch sehr gut gefallen hat ist der Umstand, dass man dieses Mal nicht mit komplementärfarben gearbeitet hat sondern alles in ein orange-graues Licht gehalten hat, um die Rauheit, das Grobe gekonnt herauszuarbeiten. Auch hat man hier weitestgehend auf irgendwelche Symbolik verzichtet die meiner Meinung nach eh keiner versteht. Typische Vertreter solcher Szenen sind bei Wut, Unheil: Gewitterstürme, entfernter Donner, dunkle Wolken die aufziehen und so weiter in die Szene zu setzen. Dennoch gab´s einen gekonnten Vertreter dieser Metaphern: Die Harvester auf dem riesigen Roggenfeld- Ein Sinnbild für die gesamte Ernte des Lebens! Ich war derart begeistert, dass selbst die Augen feucht wurden. Hier hat es endlich jemand verstanden, wie man Film macht!
Eigentlich geht es darum die verbleibende Lebenszeit der Protagonisten über die "Bühne" zu bringen, wobei ich sagen muss, dass Patrick Stewart und Hugh Jackman als auch Dafne Keen ein Schauspielfeuerwerk abgeliefert haben: Selten war es so intensiv Charles Xavier bei seinem Schauspiel zu zuschauen. Der Ausdruck und die Gesichtsmimik sind meines Erachtens wirklich grandios gespielt! Hugh Jackman als Logan wird für mich in diesem letzten Teil unvergessen bleiben. Hat er doch alles aus dem Charakter rausgeholt was möglich war, denn auch sein Konterfei, diese immense Wut so in Szene zu setzen, sieht man nicht jeden Tag. Was er alles einstecken muss und dennoch das Gebrechliche gekonnt in die Szenen einzuarbeiten ist absolut immens! Was auch gut umgesetzt worden ist, ist der Umstand, dass Logan gerne mal zur Flasche greift. Dieses wird aber nicht ständig wiederholt sondern hält sich arg in Grenzen und der Zuschauer wird somit auch nicht immer wieder mit der Nase auf das Problem hingewiesen.
Die kleine Laura erinnert ein wenig an Chloe Grace Moretz in Kick Ass. Doch dieses stellt überhaupt kein Problem dar, denn sie spielt das Mutanten Mädchen derart leidenschaftlich, dass man selbst Logan gerne eintrichtern möchte sich dem Mädchen endlich anzunehmen. Eine wirklich großartige Schauspielerin, der man ihre Rolle auch gerne abnimmt. Ich finde es herrlich, wie sie ihre Wut, die mit dem Charakter einhergeht präsent und glaubwürdig in Szene setzt.
Das Hugh Jackman-James Mangold Gespann haben wohl alle Freiheiten besessen um alles bis an die Schmerzgrenzen auszuloten. Aber genau das tut dem Film besonders gut. Allerdings hat der Mut des Studios diese Entscheidung zu treffen die Blase in der sie leben wieder vergrößern lassen. Denn anscheinend ist Ihnen der Allerwerteste wieder auf Grundeis gegangen. Denn Logan fühlt sich eher an Kick-Ass, Midnight Special und Terminator an und da haben die Herren wohl Angst bekommen, ob dieses Rezept überhaupt aufgeht.
Auch die langsame Erzählweise und die reduzierte Handlung dürften nicht allen gefallen. Zumindest was die üblichen Fans der Marvel-Blockbuster Reihe angeht kann es sein, das man hier Überraschungen oder eben auch keine dieser ansehen möchte.
Fazit: Wenn man alles auf die Comics reduziert so bekommt man mit diesem herausragenden Streifen, die Nachricht vermittelt: Dieses ist der wahre Logan aus den Comics, lieber Zuschauer, möchtest du dich dem wirklich aussetzen?
Ein Filmfeuerwerk sondergleichen und ein Schauspielgespann welches einem die Kinnlade vor Begeisterung nach unten klappen lässt! Keine Stakkato-Action und eine Oscarreife Präsentation aller Darsteller. Die Schnittgeschwindigkeit ist sehr ausgewogen und man bekommt stets mit, was welcher Charakter in welcher Szene auch immer macht. Diese Art von Choreografie und Schnitt vermisse ich in vielen Actionfilmen.