2015-08-14
Perfide Propaganda
Der Film portraitiert Freiherr Manfred Albrecht von Richthofen als fliegerisches Talent und jugendlich naiven Abenteurer und Draufgänger, der den Luftkampf als sportlichen Wettbewerb ausübt und seine Gegner weniger als Feinde denn als Gegner auf einem Spielfeld betrachtet. Ein fairer Kumpeltyp. Kein Wunder also, dass ausgerechnet Til Schweiger an seiner Seite fliegt. Damit wird 1:1 die propagandistische Darstellung von Richthofens als ehrenhaftes Fliegerass übernommen, und sie erfährt hier sogar eine Aufwertung um zusätzliche Sympathiekriterien: von Richthofen nimmt nämlich eine innere Distanz zu seiner Rolle ein, als er erkennt, in welche Gräueltaten er verstrickt ist und wie er für propagandistische Zwecke missbraucht wird. Die vordergründig kritische Auseinandersetzung mit dem Krieg stilisiert von Richthofen damit mehr noch als es die überlieferte Propaganda vermochte zum Sympathieträger.
Obwohl Schlachtfelder und Lazarette gezeigt werden, vermittelt der „Der Rote Baron“ eher das Sujet von Bambi als das einer kriegerischen Auseinandersetzung. So richtig dreckig geht es immer nur den Anderen, den Anonymen, zu denen der Zuschauer keine Beziehung aufbauen konnte.
Eine Auseinandersetzung mit historischem Material zur Persona von Richthofen hätte durchaus zu einem interessanten und glaubwürdigen Film führen können. Die Verharmlosung des Krieges für eine Liebesschnulze erscheint mir etwas geschmacklos.