2013-12-10
Lasst mal die Kirche im Dorf!
Die schlechten Rezensionen - falls man dieses vorpubertäre Geplärre überhaupt Rezensionen nennen kann - spiegeln eigentlich nur eines wieder. Wir kennen wohl kein Mittelmaß. Entweder ist etwas das „total Beste“ oder das „total Schlechteste“.
Zur Entspannung möchte ich mal den möglichst objektiven Mittelweg gehen. Auf das sich der geneigte Cineast ein halbwegs zutreffendes Bild davon mache, was ihn für seine hart verdienten Silbermünzen erwarte.
Der Film geht gerade so in Ordnung, auch wenn er sehr deutliche Schwächen aufweist. Die größte davon ist, dass er sich tatsächlich sehr ernst nimmt. Das hätte man sich vielleicht verkneifen sollen. Der Stoff wäre eindeutig besser für eine Komödie geeignet gewesen. Dann wäre auch der trashige und übereilte Schluss verzeihbar gewesen. Das hätte den Unterhaltungswert deutlich steigern können. Er bietet allerdings durchaus auch ein gewisses Ambiente und eine düstere Stimmung. Aber wie gesagt, das will alles nicht recht zusammenpassen.
Es steckt erkennbar Mühe in der Produktion. Dabei wirkt sie leider auch etwas „bemüht“. Für eine Gruselgeschichte im KiKa ist sie zu brutal und für Erwachsenenkino zu verspielt und kindisch. Also irgendwie nicht Fisch und nicht Fleisch.
Auf der anderen Seite verweist der Film auf mehr oder weniger eindringliche Weise auf die Schande der Kreuzzüge - altertümliche wie moderne - und die grausame Folterung und Tötung Unschuldiger, initiiert durch den allgegenwärtigen Aberglauben und der Indoktrination der römisch-katholischen Kirche des frühen Mittelalters. Allerdings sollte für solch einen hehren Zweck, schon aus Gründen des Anstandes und der Pietät, eine seriösere Produktion genutzt werden.
Was die technische Umsetzung betrifft, nun ja, die Effekte muten sicher nicht wie aus den Fünfzigern an, wie ein anderer Kritiker hier geschrieben hat. Hier und da blitzen auch durchaus eindrucksvolle Bilder auf und beschreiben ein halbwegs realistisch anmutendes, wenn auch sehr oberflächliches Bild der „jüngeren“ Vergangenheit unserer „Zivilisation“. Der Film kann seine Herkunft allerdings nicht verleugnen. Es ist und bleibt eine oberflächliche Hollywoodproduktion, die es mit den Fakten nicht allzu genau nimmt. Genau genommen ist sie, wie die gesamte Story, mittelmäßig umgesetzte Fiktion, die sich an ein arg verzerrtes Bild des Mittelalters anlehnt!
EINEN Oskar möchte ich zumindest vergeben. In der Kategorie „hässlichste und unappetitlichste Pestbeule der Filmgeschichte. Die bedauernswerten Opfer dieser Krankheit werden doch etwas sehr überzeichnet dargestellt. Aber gut. Es ist das Recht der Macher, mit ihrem Geld anzurichten, was immer sie schminktechnisch für angebracht halten.
In einem Punkt möchte ich den überaus scharfen Kritikern hier Recht geben. Mit Tempelrittern hat der Film genauso wenig am Hut, wie mit Mohikanern. Im Original heißt er deshalb vermutlich auch „Season of the Witch“, was dem Inhalt mehr oder minder deutlich näher kommt.
Viel Spaß beim Anschauen. Oder auch Nicht-anschauen. Das macht in diesem Fall nämlich genauso viel Spaß!