(K)ein französischer Film
Philippe und Driss sind zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Der erste in gut betuchter, älterer Herr, der mit einen Bediensteten in einem fast schon schlossartigen Haus wohnt aber seit einem Paraglider Unfall vom Hals abwärts gelähmt ist. Der andere ist ein in athletischer, unter ärmlichen Verhältnissen, zusammen mit vielen anderen Kindern bei Tante und Onkel aufgewachsen und schlägt sich mit Hilfe der Sozialhilfe und Kleinkriminalität durch.
Als Driss zu einem Bewerbungsgespräch bei Philippe auftaucht möchte dieser eigentlich nur eines: eine Unterschrift welche dem Arbeitsamt beweist dass er sich zwar beworben hat, er aber nicht geeignet ist, womit seine finanzielle Unterstützung weiterhin gesichert ist. Doch Philippe zeigt Interesse an diesem jungen Mann; nicht weil er besonders geeignet wäre für die Position des Pflegers welcher ihn rund um die Uhr betreuen muss, sondern weil er von Anfang an eines nicht zeigt: Mitleid (oder gar Respekt). Driss lässt sich auf eine Probezeit ein und legt damit den Grundstein für Veränderungen in seinem, aber auch Philippes Leben.
Als leidenschaftlicher Cineast liebe ich allerhand verschiedene Genres. So gibt es auch den einen oder anderen Art House Film unter meinen All Time favourites, allerdings bin ich was diese Werke angeht deutlich wählerischer als bei den meisten anderen Richtungen. Und auch wenn ich vmtl. mit dem nächsten Satz das Ungemach vieler Fans auf mich ziehen werde, so muss ich doch sagen dass mir der echte Zugang zum französischen Kunstfilm bisher etwas verwehrt geblieben ist. Natürlich fand ich Amelié schön und auch so manch anderer Streifen aus dem Land der Liebe vermochte mich angenehm zu unterhalten, doch trotz allem stehe ich dem Ganzen bis heute immer noch sehr skeptisch gegenüber, überwiegen doch die für meinen Geschmack weniger gelungenen im Gegensatz zu den Juwelen.
Und so war ich auch nicht gerade begeistert von der Idee mir ZIEMLICH BESTE FREUNDE ansehen zu müssen". Die ganze Grundvoraussetzung erschien mir doch viel zu Klischeehaft, Behinderter Millionär, Afrofranzösischer Sozialhilfeempfänger, sexy Sekretärin...ich stellte mich auf eine soziokulturelle Studie mit hohem Tränenzieher- und Betäubungsfaktor ein.
Doch zum Glück wurde ich nicht nur einfach eines besseren belehrt, ich wurde begeistert und überrascht wie es das Kino heutzutage nur noch selten zu tun vermag.
Bereits beim Betrachten der Zuschauerzusammensetzung im Kinosaal fiel mir auf, dass es sich nicht um das Publikum handelte welches ich erwartet hätte: viele Jugendliche, nahezu gleich viel Männer wie Frauen, keiner der so aussah als habe er seine Diplomarbeit über Franz Kafka kurz unterbrochen um ausnahmsweise ein Lichtspielhaus aufzusuchen. Warum dies so war wurde mir auch recht schnell klar.
Von Beginn an wird man mit einer Komik befeuert die so erfrischend und vor allen Dingen tatsächlich witzig ist, dass man sich fragt worüber man in der letzten sogenannten Komödie überhaupt hat lachen können. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern ist sensationell und die Art und Weise wie sie sich gegenseitig Wortgefechte liefern lässt keine Sekunde Langeweile aufkommen. Dabei sind die Ideen teilweise so simpel wie sie aber aus der Situation heraus genial sind. Ob Driss Philippe mal wieder das Telefon hin hält obgleich dieser die Arme doch gar nicht bewegen kann, er ihm das Essen ins Auge steckt, weil er die schöne Sekretärin Magalie beobachten muss oder auch wenn er ihm dreist die Süßigkeiten mit den Worten Keine Arme, keine Süßigkeiten" verweigert; man ist nahezu ständig am Lachen.
Auf der anderen Seite handelt es sich aber auch um kein groteskes auf den Arm nehmen von Menschen mit Behinderungen, ganz im Gegenteil. Äußerst geschickt gelingt es dem Regisseur einem Bauchschmerzen mit Hilfe eines Feuerwerks von Witzen zu bereiten um dann in nächsten Szene solch eine grundehrliche und gefühlvolle Situation zu zeigen dass man sich in der Tat die eine oder andere Träne verkneifen muss. Auch entartet die Zeichnung der Orte und Charaktere nicht zu eine Studie der sozialen Verhältnisse in französischen, bzw. Großstädten überhaupt. Eine Prise hier und da reichen aus um einem klar zu machen welche Bedingungen das Leben von Driss beeinflusst haben und noch immer beeinflussen.
Ich halte ZIEMLICH BESTE FREUNDE persönlich für den besten Film des Jahres 2011. Er hat soviel was ich so vielen Regisseuren gerne unter die Nase halten würde: eine brillante, spielfreudige Besetzung, eine fantastisch erzählte (auf wahren Gegebenheiten beruhende) Geschichte, spritzigen Witz aber auch traurige Momente, kurzum alles was ein wirklich guter Film braucht. Man munkelt bereits dass Hollywood vorhabe die Geschichte neu zu verfilmen, aber ich hoffe inständig dass dies nicht passiert. Nicht weil ich Neuverfilmungen grundsätzlich ablehne (wenn dies so wäre gäbe es einige meiner absoluten Lieblingsfilme die ihre Vorbilder in den Schatten stellen nicht), sondern weil ich nicht glaube dass es möglich ist diesen Film besser zu machen. Zumal, und damit kommen wir an den Anfang zurück und ich entschuldige mich erneut bei allen Liebhabern des Genres, BESTE FREUNDE genau das fehlt was eine Neuverfilmung rechtfertigen würde: er ist nämlich nicht französisch! Alles was ich an französischen, insbesondere Literaturverfilmungen, nicht mag kommt hier nicht vor. Würde man dieselbe Handlung, mit derselben Besetzung in ein anderes Land verlegen, es würde trotzdem funktionieren. Das ist wohl auch der Grund warum ZIEMLICH BESTE FREUNDE in der ganzen Welt ein Hit war und nun Amelié als Nr.1 Export übertroffen hat.
Fazit:
Wer gute Filme zu schätzen weis kommt um diesen nicht herum. Als Ausrede dafür nicht in den meisten Szene herzhaft zu lachen und in einigen anderen Tränen unterdrücken zu müssen kommt meiner Meinung nach nur eine in Frage: Das Herz und der Verstand wurden an der Kinokasse abgegeben.