Gutes Kino – ideenreiche Story
und wieder einmal scheiden sich die Geister. Die einen können es nicht fassen, wie wenig die Geschichte erklärt wird und die anderen sind genau davon fasziniert und stricken sich ihre Bedeutung einfach hinein.
Die dritte Gruppe kennt die Geschichte aus einem Buch und ergeht sich in alter Debatte „Huhn oder Ei“.
Auf mich hat der Film einen großen und positiven Eindruck gemacht. Die Bildsprache ist großartig. Allein wie Architektur so eingefangen wird, dass sich daraus Stimmung ergibt ist grandios. Die Leistung der Schauspieler ist riesig. Vor allem die neiden Frauen spielen hervorragend.
Was das Gleichnis bzw. die Symbolik angeht, da bin ich geteilter Meinung. Zum einen ist es ein starkes Bild, das eine große Wirkung erzielt. Zum anderen kann ich die Bedeutung nicht nachvollziehen. Das ist mir zu stark an Freud angelehnt, ich habe da ganz andere Assoziationen.
Man kann als aufmerksamer Beobachter sehr wohl hinter das Geheimnis kommen. Es gibt ausreichend Hinweise auf die Deutung. Jedoch hat mich der Film auch ohne diesen Schlüssel gefesselt. Selbst wenn man bis zum Schluss glaubt was man sieht, es ist spannend und ansprechend.
Die letzte Szene ist ein Witz. Man könnte meinen, die Geschichte hat am Ende Muffensausen vor sich selbst bekommen. Nach dieser Tour durch den Kopf kann man nicht davon ausgehen, dass irgendetwas „gut“ sein soll. Es wird so weitergehen wie es angefangen hat.
Den Film kann ich allen empfehlen, welche Filme auch dann gut finden können, wenn sie die Story nicht erklärt bekommen. Wer lieber Popkornkino schaut, der ist hier falsch. Das wird kein schöner Abend.
Es gibt Fragen, die das Geheimnis lüften (Spoilergefahr):
1) Welche Frau soll der Schauspieler wieder gesehen haben? Warum lügt er?
2) Warum ist die Frau des Schauspielers so traurig?
3) Wovon handelt die Vorlesung des Professors? Und warum langweilen sich die Studenten?
4) Warum funktioniert die Beziehung des Professors mit seiner Freundin, obwohl die beiden sich kaum sehen?
5) Warum ist die Frau des Schauspielers entsetzt darüber, dass der Professor sie nicht erkennt?
6) Wichtig: warum haben die beiden Männer die gleiche Narbe und den gleichen Haarschnitt/Bart?
7) Weshalb funktioniert der Plan mit dem Wochenende, obwohl die Prämisse anscheinend falsch ist?
8) Weshalb fragt die Frau des Schauspielers nach dem Tag in der Uni? Und warum entschuldigt sie sich?
9) Wofür steht die Spinne?
10) Die eine Frau akzeptiert den „Tausch“, die andere nicht. Warum?
Ich finde, wenn man sich diese Fragen beantwortet, dann ist die Lösung klar. Es gibt sogar noch mehr kleine Hinweise, weil der Film eigentlich nichts verschleiert. Es sind unsere Seh- und Denkgewohnheiten, die uns von der Wahrheit ablenken.