Kann man hören
Zu Folge 12: ein unglaublich intensiver Fall, dem leider in keinster Weise Rechnung getragen wurde. Besonders das Verhältnis des Täters zu dem jungen Ermittler, das bei der Aufklärung eine immens große Rolle spielte, wird beinahe nebensächlich erwähnt.
Ich empfehle den beiden Hosts dringend, den Podcast von Zeit Verbrechen, Folge 5 „Mein Freund, der Serienmörder“, der genau diesen Fall behandelt , anzuhören. Leider versinkt der Beitrag von Mordloch geradezu in Banalität, eine wirklich verschenkte Chance, diesen komplexen Fall noch einmal zu besprechen. Ein guter TrueCrime Podcast zeichnet sich eben durch mehr aus, als nur die Aufzählung und Aneinanderreihung von Fakten.
A propos Fakten:
das sogenannte Bonanza-Rad war keineswegs in den 1980ern modern, sondern in den späten 60ern und den 1970ern. Um 1980 wurden sie dann nicht mehr produziert, da sie zu der Zeit von den BMX-Rädern abgelöst wurden. Ein wenig intensivere Recherche (notfalls ein Blick bei Wikipedia) hätte das schnell und ohne viel Aufwand geklärt.
Bis jetzt macht der Podcast soweit einen ganz ordentlichen Eindruck:
sympathische Stimmen, die sich gut artikulieren können, Fälle, die ich noch nicht kannte und auch die Recherche scheint recht gründlich zu sein. Allerdings sollte man sich über Begriffe, die man erklären will im Vorfeld ein wenig besser informieren (Beispiel: Mord vs Totschlag), denn da stimmte einiges hinten und vorne nicht.
Erfreulicherweise keine Anglizismen.
Auch sollte sich Mareike während der Schilderung eines Falles der von Jule vorgetragen wird, eindeutig mehr zurückhalten: seinem Gegenüber beständig ins Wort zu fallen, ist eine extrem unangenehme und nervige Angewohnheit (besonders für die Zuhörer!) und unhöflich ist es obendrein.
Auch das Lachen und die, teilweise deplatzierten Einwürfe stören sehr, es reißt den Fall unnötig auseinander und sie zerstören den Spannungsbogen komplett.
Weniger wäre hier eindeutig mehr. Ich persönlich mag es sowieso lieber, wenn man einen Fall sozusagen „in einem Rutsch“ anhören kann, ansonsten verliert man schnell den roten Faden.
Außerdem sollten sich Pocaster*innen immer wieder vor Augen führen, dass sie keine Krimis erzählen, sondern es mit echten Fällen und realen Opfern zu tun haben, „witzige“ Anmerkungen/Sprüche sind da völlig fehl am Platz. Respekt den Opfern, sowie deren Angehörigen gegenüber, sollte stets oberste Priorität haben.
Ich warte mal ab, wie sich der Podcast entwickelt, er hat Potential, aber auch noch eindeutig Luft nach oben.