Habe fast alle Folgen gehört und bin von der Auswahl der Gäste und der Gesprächsführung ziemlich angetan. Es hängen sich viele am Thema "Küchengespräch" auf, wobei nicht so ganz klar wird, ob es zu küchig oder nicht küchig genug ist; ich hab es so verstanden, dass man inhaltlich anspruchsvoll und auch tiefgehend reden will, aber eben in einem betont "unoffiziellen" Setting. Für mich liefert der Podast genau das. Sounds, Jingles und Werbung sind nervig, aber noch aushaltbar. Aber ich kann Podcasts, in denen derartig penetrant gegendert wird, nicht gut bewerten. Es lenkt unerträglich ab. Diese Kunstprache, die zumindest in mündlicher Form außerhalb der woken Journalistenblase nirgendwo verwendet wird, dient zu nichts anderem als dem Herausstellen einer behaupteten moralischen Überlegenheit, auf Kosten einer direkten, präzisen Sprache. Mal ein beispielhaftes Küchengespräch zur Illustration: Angenommen Herr Grundei, ich nenne ihn Norbert, trifft Frau Rübsamen-Schaeff (Helga) bei besagter hypothetischer Party und erzählt, nach Genuss einiger Kaltgetränke, von seinen Problemen beim Urinieren ("Es brennt!"). Was könnte Helga antworten, um zum Ausdruck zu bringen, dass ärztlicher Rat hier dringend geboten sei? Meiner Meinung nach ist hier genau ein einziger Satz möglich, und zwar "Mensch, Norbert, geh zum Arzt!" Nur dieser Satz kommuniziert die Botschaft angemessen aufrichtig, direkt und unmissverständlich. Helga kennt Norberts Arzt oder seine Ärztin nicht und weiß nicht, wie sie oder er korrekt anzusprechen ist, und verwendet deshalb das generische Maskulinum; außerdem, und das ist das Entscheidende, ist das Problem der Ansprache des in Rede stehenden medizinisch Tätigen absolut nachrangig im Verhälnis zu Helgas aufrichtiger Besorgtheit um Norberts urologisches Wohl. "Geh zur Ärzt ... In!" oder "Geh zum Arzt, bzw. zur Ärztin!" oder "Geh zum Verschreibenden!" oder sonst irgendein "gendergerechtes" Konstrukt ist irritierend, unpraktikabel, missverständlich, ablenkend und schlicht grauenhaftes Deutsch. Man kann sich bemühen, beide, oder meinentwegen auch mehr als zwei Geschlechter anzusprechen. Es gibt Möglichkeiten, klarzumachen., dass alle sich angesprochen fühlen sollen. Dieser verkopfte "In mit Lücke"-Käse ist ein Irrweg.
Edit: habe inmer mal wieder reingehört und bin nach wie vor inhaltlich sehr angetan. Auch das gegendere scheint zumindest weniger penetrant zu werden. Interessante Beobachtung in diesem Zusammenhang: Gerade weibliche Mediziner sind nicht die konsequentesten Genderer. Dabei müssten gerade sie sich primär angesprochen fühlen; es gibt deutlich mehr Ärztinnen als Ingenieurinnen. Woran liegts? Weil sie mit dem grammatischen Konzept einer Grundform, die Varietäten wie m/w/d einschließt, umgehen können und lieber gezielt zur Sache reden.