Interessant, seriös, Host-Duo funktioniert nur bedingt
Interessante, unterschiedliche Fälle der Kunst anschaulich, richtig gut recherchiert und klar erzählt. Es hilft sehr, dass über die gut gestalteten Shownotes die vorkommenden Kunstwerke betrachtet werden können. Superschönes und kreatives Coverbild, bei dem direkt klar ist, worum es geht. Man wünscht sich, dass sich alle Podcasts so eine Mühe damit geben würden, ein catchy und aussagekräftiges Coverbild zu gestalten. Ich hoffe, dass es eine zweite Staffel gibt.
Aber für die hätte ich ein paar Verbesserungsvorschläge: Wenn man einen Podcasts mit zwei Hosts macht, sollten diese sich in irgendeiner Form ergänzen. Stefan Koldehoff hat spätestens seit seiner Berichterstattung über den Fall des Erben der durch den Nationalsozialismus entstandenen „Kunstsammlung“ (man müsste wohl eher von Anhäufung gestohlener und auf zweifelhaftem Wege erhaltenen Kunst sprechen) Gurlitt seine Expertise und Leidenschaft im Kunstjournalismus einem breiteren Publikum bewiesen. Er kann sie auch eloquent denen vermitteln, die sich nicht so gut auskennen. Leider hat seine Kollegin Rahel Klein bis auf eine Folge, in der die Rollen getauscht werden, die undankbare Aufgabe, die meiste Zeit in manchmal genervt-ungeduldigem oder künstlich dümmlichem Ton Fragen zu stellen, sodass die Dynamik eher wie ein langes, zähes Kollegengespräch anmutet als als Unterhaltung zweier gleichberechtigter, bewusst zusammengesetzter Hosts. Sie hätte entweder früher einen anderen Part bekommen sollen oder der Podcast hätte als Erzähler:innen-Reportage erzählt werden müssen, so wie zum Beispiel der Podcast „Bansky – Rebellion oder Kitsch?“ in dem Reporterin Ortrun Schütz alleine auf Recherchereise geht. Die Gespräche der beiden wirken, obwohl sympathisch, an vielen Stellen gekünstelt und langatmig.
Was ich mich gefragt habe: Wieso gibt es „Tatort Kunst“ vom Deutschlandfunk und „Kunstverbrechen“ vom NDR? So viele interessante „high profile“ Kunstverbrechen gibt es jetzt auch nicht. Beide Podcasts haben zwei Hosts, Kunstverbrechen-Ermittler Rene Allonge und Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi kommen vor. Auch, wenn beide Podcasts unterschiedliche Fälle behandeln: Wieso werden Ressourcen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht stärker gebündelt, um einen Super-Podcast zu machen anstatt zwei nebenher zu produzieren? Vielleicht wäre eine Zusammenarbeit ja eine Idee für die zweite Staffel?
Die Shownotes auf Spotify und bei Apple Podcasts zu jeder Episode, über die man zum Beispiel die Bilder über die gesprochen wird, sehen kann, sind wie gesagt liebevoll gestaltet, sehr informativ und hilfreich. Schade, dass es sie nicht über die ARD Audiothek gibt. Einerseits will der öffentlich-rechtliche Rundfunk die eigenen, werbefreien Kanäle stärken, kann aber bei wichtigen Funktionen nicht mithalten. Hoffentlich werden Shownotes auch in Zukunft in der Audiothek möglich sein.