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"Die USA stehen vor einer kränkeren und ärmeren Zukunft!" Liebe Leserinnen und Leser,
die vergangene Woche hat mal wieder eindrücklich unter Beweis gestellt, wie radikal rückwärtsgewandt Trump’sche Politik sein kann. Zwei Meldungen unterstreichen, dass die Republikanische Partei unter US-Präsident Donald
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Liebe Leserinnen und Leser,
die vergangene Woche hat mal wieder eindrücklich unter Beweis gestellt, wie radikal rückwärtsgewandt Trump’sche Politik sein kann. Zwei Meldungen unterstreichen, dass die Republikanische Partei unter US-Präsident Donald Trump einen Feldzug gegen die Wissenschaft und gegen die Rechte von Frauen führt.
So meldete die New York Times am Mittwoch, dass der Bundesstaat Florida plane, jegliche Formen der Impfpflicht abzuschaffen - auch für Schulkinder. Der „Surgeon General“ (Generalarzt) von Florida, der ausgewiesene Impfskeptiker Dr. Joseph A. Ladapo, nannte als Begründung eine wirre Mischung aus Gott und Sklaverei. Seine Worte:
„Wer bin ich, dass ich Ihnen vorschreiben könnte, was Ihr Kind zu sich nehmen soll? Ihr Körper ist ein Geschenk Gottes.“ Er fügte hinzu, dass die Regierung daran arbeiten werde, alle Impfvorschriften „abzuschaffen“. Jede einzelne dieser Vorschriften sei falsch und trieft vor „Verachtung und Sklaverei.“
Gleichzeitig kündigte der republikanische Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, die Einrichtung einer Kommission an, um den Bundesstaat an die von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. festgelegten Ziele anzupassen. Die Kommission soll von Casey DeSantis, der Ehefrau des Gouverneurs, geleitet werden.
Gesundheitsminister Kennedy ist ebenfalls ein langjähriger Impf-Skeptiker. Zuletzt feuerte er unabhängige Berater der wichtigen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und ersetzte sie durch ausgewiesene Impf-Kritiker. Auch die Direktorin der CDC hatte Kennedy nach weniger als einem Monat im Amt entlassen.
In Texas arbeitet die Regierung des Bundesstaats wiederum daran, dass bald jeder Ärzte und Vertreiber von Abtreibungspillen verklagen kann, wenn diese an der Lieferung bzw. dem Import der Pillen in den Bundesstaat beteiligt sind.
Wie die Washington Post berichtete, soll der von Abtreibungsgegnern unterstützte Gesetzentwurf es ermöglichen, Privatpersonen, Unternehmen und Einzelpersonen zu verklagen, die Abtreibungspillen herstellen oder an Patientinnen in Texas vertreiben.
Welche Folgen hat diese Politik?
Aber warum über diese Themen spekulieren, wenn man nachfragen kann. Ich hatte die Gelegenheit, zum einen mit einer erfahrenen Epidemiologin aus den USA zu sprechen, die bereits seit über zehn Jahren für die Behörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) tätig ist.
Zum anderen konnte ich mit einer angehenden Epidemiologin sprechen, die sich auch auf die Rechte von Frauen und Minderheiten spezialisiert hat. Beide stimmten einem Interview unter der Voraussetzung der Anonymität zu, da sie sonst um ihre Jobs und Karrieren fürchten müssten.
Als Journalist ist es mir wichtig, Ihnen zu sagen, dass beide Personen über eine große Expertise bei dem Thema verfügen. Selbstverständlich versichere ich Ihnen auch, dass beide Personen existieren und sie auf Basis ihrer langjährigen Erfahrungen meine Fragen beantwortet haben. Falls Sie meinen Newsletter als Podcast hören: Ich habe die Antworten meiner Interviewpartner von einer KI-Stimme sprechen lassen.
Die ersten zwei Fragen wurden von der erfahrenen CDC-Expertin beantwortet (Quelle 1). Die dritte Frage wurde sowohl von der CDC-Expertin, als auch von der angehenden Epidemiologin (Quelle 2) beantwortet. Fragen vier und fünf wurden von Quelle 2 beantwortet.
Hier geht es zum Interview:
„Die USA sind in Bezug auf die globale Gesundheitssicherheit völlig handlungsunfähig“
Was ist das Ziel von Gesundheitsminister Kennedy? Welche Auswirkungen wird seine Politik nicht nur auf die CDC, sondern auch auf den US-Gesundheitssektor im Allgemeinen haben?
Kennedy behauptet, dass er die im Vergleich zu anderen OECD-Ländern unverhältnismäßig hohen Raten chronischer Erkrankungen in den Vereinigten Staaten bekämpfen will. Gleichzeitig hat er aber viele der CDC-Zentren, die genau daran gearbeitet haben, aufgelöst.
Er behauptet, dass diese Aufgaben stattdessen von einer neuen AHA-Behörde (Administration for a Healthy America) übernommen werden sollen. Allerdings gibt es weder Mittel für diese Behörde, noch gibt es Pläne, sie ins Leben zu rufen. Wenn diese Behörde jemals zustande kommen soll, dann erst in vielen Jahren, sodass in der Zwischenzeit ein Großteil der Arbeit im Zusammenhang mit der Überwachung chronischer Krankheiten, der Bewertung von Strategien und Programmen zur Informationsgrundlage für Entscheidungsprozesse und der Bereitstellung evidenzbasierter Leitlinien für die amerikanische Öffentlichkeit und Ärzte stark eingeschränkt wird.
Meiner Meinung nach verkauft Kennedy Wunderwaffen, um seine Anhänger von „Make American Healthy Again“ (MAHA) zu beschwichtigen. Er hat viel Lärm darum gemacht, dass Junkfood-Unternehmen Lebensmittelfarbstoffe abschaffen oder Fruktose-Glukosesirup durch Zuckerrohrsirup ersetzen sollen.
Wir Experten für öffentliche Gesundheit wissen jedoch, dass diese kleinen Änderungen keinen messbaren Einfluss auf chronische Krankheiten haben werden, da er nichts unternimmt, um die wirklichen Ursachen anzugehen. Dazu gehören z.B. der eingeschränkte Zugang zu gesunden Lebensmitteln, die steigenden Kosten für gesunde Lebensmittel, der Mangel an Versicherungsschutz und Zugang zu Gesundheitsversorgung (insbesondere unter der ärmeren Bevölkerung auf dem Land) und natürlich auch die generellen sozialen Faktoren, die sich auf chronische Krankheiten auswirken. Kennedy geht mit seiner MAHA-Agenda überhaupt nicht auf diese grundlegenden Probleme ein.
Da er nichts Wirksames unternimmt, um die chronischen Krankheiten zu bekämpfen, hat das alles einen noch negativeren Einfluss auf unsere Fähigkeit, Infektionskrankheiten zu kontrollieren. Er hat nicht nur viele Jahre lang, bevor er Minister wurde, die Impfskepsis im Land geschürt, sondern baut nun auch im Alleingang unsere gesamte Impfstoff-Infrastruktur ab.
Er hat 500 Millionen Dollar für die mRNA-Forschung gestrichen und damit unsere Fähigkeiten, auf die nächste Pandemie zu reagieren, erheblich beeinträchtigt. Er hat angesehene Experten aus den externen Beratungsgremien, die den Regulierungsprozess der FDA (Food and Drug Administration) und den Empfehlungsprozess der CDC beraten, entfernt und durch unqualifizierte Impfgegner ersetzt. Die FDA hat bereits die Zulassung des COVID-19-Impfstoffs für die kommende Saison auf Erwachsene über 65 Jahre und Personen mit Risikofaktoren beschränkt. Anfang dieses Jahres hat Kennedy die COVID-19-Impfempfehlung für Schwangere widerrufen. Er hat sich bei dieser Entscheidung mit niemandem in der CDC beraten und hat bis heute keine Beweise vorgelegt, die diese Entscheidung rechtfertigen würden.
Es ist wichtig zu beachten, dass in den Vereinigten Staaten die meisten Versicherer die Kosten für einen Impfstoff nicht übernehmen, wenn die geimpfte Person nicht zu einer Gruppe gehört, die von der FDA für die Verwendung zugelassen und/oder von der CDC in ihre Empfehlung aufgenommen wurde.
Obwohl Kennedy sowohl bei der Anhörung für seine Bestätigung vor dem Senat vor ein paar Monaten, sowie vor ein paar Tagen erneut unmissverständlich erklärte, dass „jeder, der sich impfen lassen möchte, eine Impfung erhalten kann“, haben seine Maßnahmen den Zugang zu Impfstoffen für Millionen von Menschen, die sich impfen lassen möchten, eingeschränkt.
Noch alarmierender ist, dass für Ende dieses Monats eine ACIP-Sitzung (Advisory Committee on Immunization Practices) geplant ist, bei der nicht nur COVID-19, sondern auch MMR, RSV und Hep-B auf der Tagesordnung stehen – also Impfstoffe, die seit Jahren ganz oben auf der Agenda der Impfgegner stehen. Wenn sie beschließen, die Empfehlungen für Kinder zu streichen, werden die Versicherer diese Impfstoffe nicht mehr übernehmen und Millionen von Familien werden den Zugang dazu verlieren – trotz Kennedys gegenteiliger Versprechen.
Darüber hinaus sind neben den Kürzungen bei der mRNA-Forschung auch die Forschungsgelder des Bundes in nahezu allen Bereichen der Gesundheits- und Biomedizinforschung ernsthaft gefährdet. Labore im ganzen Land haben ihre Forschung bereits eingestellt, Universitäten haben weniger (wenn überhaupt) Plätze für neue Doktoranden – unsere biomedizinische Forschung wird in den kommenden Jahren stark eingeschränkt sein.
Wie gefährlich ist es, dass Florida plant, alle Impfvorschriften aufzuheben? Welche schwerwiegenden Folgen könnte dies haben?
Sehr gefährlich! Nehmen wir das Beispiel Masern. Wir können uns den Masernausbruch im Südwesten der USA in diesem Jahr ansehen, der seinen Ursprung in einer impfkritischen Gemeinde mit geringer Durchimpfungsrate hatte. Bis heute gab es mindestens 1.431 Fälle in 45 Bundesstaaten – der größte Ausbruch seit 1992 – mit 3 Todesfällen, davon zwei unter Kindern.
Masern waren in den USA seit 2000 ausgerottet, obwohl wir jedes Jahr eine geringe Anzahl importierter Fälle verzeichnen. Es ist anzumerken, dass wir in diesem Jahr mehr importierte Fälle (n=137) hatten als in jedem anderen Jahr seit 2000. Wenn sich dieser Trend fortsetzt und es gleichzeitig mehr Gebiete mit geringer Durchimpfungsrate gibt, dann ist eine Katastrophe vorprogrammiert. Insbesondere Florida ist ein wichtiger Einreisepunkt für internationale Reisende in die Vereinigten Staaten.
Interessant an diesem Plan zur Abschaffung der Impfpflicht ist, dass Eltern in Florida seit mehr als einem Jahrzehnt das Recht haben, eine nicht-medizinische Befreiung von der Schulimpfung (z. B. aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen) zu beantragen. Es gibt jedoch eine unbeabsichtigte Folge, an die meiner Meinung nach derzeit viele Menschen nicht denken. In meiner Arbeit stelle ich fest, dass die Impfvorschriften für den Schuleintritt oft eine wichtige Erinnerung für Eltern und Betreuer sind, ihren Kindern die aktuellsten Auffrischungsimpfungen mit DTaP, IPV und MMR (Masern, Mumps und Röteln) zu verabreichen.
Der größte Teil des Impfplans für Kinder ist
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Erscheinungsdatum: 7.9.2025, 07:30:00