Aus der Zeit gefallen
Es gibt Podcasts, die wollen erklären. Andere wollen unterhalten. Und dann gibt es jene Formate, die mit der fast missionarischen Ernsthaftigkeit eines vergangenen Medienzeitalters antreten, um die Welt pädagogisch zu ordnen. Der Podcast der ehemaligen Journalistin — eine Grande Dame des „Betreuten Denkens“ — gehört eindeutig zur dritten Kategorie. Was als Versuch beginnt, klassische journalistische Haltung in die digitalen Medien zu übersetzen, endet in einer unfreiwilligen Demonstration der Unmöglichkeit genau dieses Unterfangens.
Der Titel „Unframed“ könnte kaum passender sein.
Er zeigt exemplarisch wie verbissen Frau Amann „ungeskripted“ (ja, der Titel ist geklaut) sein möchte und doch nie aus ihrer Haltungsjournalismus Haut heraus kann, und zwanghaft versucht zu „übersetzen“ und „einzuordnen“.
Denn hier spricht eine Stimme aus einer Epoche, in der Journalismus nicht Konkurrenz um Aufmerksamkeit war, sondern moralische Instanz. Eine Zeit, in der Redaktionen glaubten, gesellschaftliche Vernunft herstellen zu können — und in der das Publikum eher Objekt pädagogischer Betreuung als souveräner Teilnehmer öffentlicher Debatten war. Genau dieses Selbstverständnis trägt der Podcast bis in jede Formulierung hinein.
Die Sprecherin bemüht sich sichtbar um moderne Formen. Die Sprache soll locker wirken, die Dramaturgie erinnert an narrative Podcasts jüngerer Generationen, gelegentlich werden popkulturelle Referenzen eingestreut. Doch alles bleibt äußerlich. Hinter der digitalen Verpackung arbeitet weiterhin das alte Sendungsbewusstsein öffentlich-rechtlicher Leitmedien. Man hört keine echte Neugier auf die Gegenwart, sondern den Versuch, sie normativ einzuhegen.
Das eigentliche Problem des Podcasts ist dabei weniger politischer Natur als anthropologischer. Die Haltung, die hier transportiert wird, ist zutiefst bevormundend. Der Zuhörer erscheint nie als denkendes Gegenüber, sondern als jemand, der angeleitet, korrigiert und moralisch diszipliniert werden muss. Zweifel werden nicht ausgehalten, Ambivalenzen nicht geöffnet, sondern sofort in den vertrauten Deutungsapparat überführt. Selbst dort, wo Offenheit simuliert wird, bleibt das Ergebnis vorhersehbar.